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Geschichte und Geschichten: Kunsthandel damals und heute


Kunsthandel damals und heute
Galerienlandschaft im Tiergarten Süd

Bereits seit den 50er Jahren haben sich Galeristen im
Westteil der Stadt an exponierter Stelle rund um den
Kurfürstendamm angesiedelt. Charlottenburger Galerien
machten sich vor allem einen Namen mit der Vermittlung
der Klassischen Moderne, wie z.B. die traditionsreiche
Galerie Nierendorf, die seit 1963 ihren Sitz an der Harden-
bergstraße hat. Ein wichtiges Anliegen in der Nachkriegs-
zeit war es, die von den Nazis als entartete Kunst diffa-
mierte Klassische Moderne zu rehabilitieren und deutsche
Künstler der 20er und 30er Jahre der Vergessenheit zu
entreißen. Der wirtschaftlichen Aufschwung der Bundes-
republik in den 50er Jahren ermöglichte dem deutschen
Kunsthandel einen Neubeginn, im internationalen Ver-
gleich allerdings anfänglich ohne großes Kapital.

Entgegen gängiger Kunstströmungen, die in der Zeit des
Wirtschaftswunders auch in Berlin zunehmend durch Ein-
flüsse aus Paris und New York, durch Informel, Tachismus
und von Abstraktion geprägt waren, kündigte sich in den
politisch aufgeladenen 60er Jahren eine Wende an. Neben
der Gründung der ersten Berliner Pop-Galerie durch René
Block, die erstmals Pop, Fluxus und Happenings nach Ber-
lin brachte, wurde 1964 in einer leer stehenden Fabriketage
in Schöneberg die Selbsthilfegalerie 'Großgörschen 35' ge-
gründet, eine Gemeinschaftsinitiative von Künstlern, denen
der Zugang zu dem damals offiziellen Kunstmarkt bis dato
verwehrt geblieben war. In dieser anfangs eher heteroge-
nen Künstlergemeinschaft fanden sich expressive Realisten
und eine Gruppe kritischer Realisten zusammen, die in den
70er Jahren einen wichtigen Beitrag zur Berliner Kunstszene
leisteten.

Die Westberliner Galerien der 80er Jahre gelten gemeinhin
als eher konservativ. Während im Osten der 'Sozialistische
Realismus' gepflegt wurde, war in der Westberliner Kunsts-
zene der 'Kritische Realismus' angesagt. Kurzzeitig sorgten
die 'Neuen Wilden' mit ihren neoexpressionistischen Bildern
im traditionsbewussten Westteil für Aufruhr. Die Bilder der
Neoexpressionisten sind es auch, mit denen die deutsche
Kunst nach 1945 wieder internationale Bedeutung erlangte
und auch auf dem Kunstmarkt enorme Preise erzielte.

Seit dem Mauerfall erfuhr die Galerienlandschaft in Berlin
einen rasanten Wandel. Vor allem im Ostteil der Stadt hat
sich eine international Aufsehen erregende junge Galerie-
szene etabliert und für Handel und Produktion von Gegen-
wartskunst ist Berlin zum Topstandort avanciert. Die Szene
im Ostteil profitierte vor allem von unkonventionellen Orten
und experimentierte mit alternativen Projekt- und Aus-
stellungsformaten. Durch den Ost-Hype verließen viele
Galerien Charlottenburg und zogen in Zimmer-, August- oder
Sophienstraße in Mitte.

An der Peripherie, im traditionellen Kunsthandelszentrum,
unweit der Neuen Nationalgalerie und des Bauhaus-Archivs
sind dennoch zahlreiche eingesessene Kunstinstitutionen des
ehemaligen Westberlin geblieben, wie etwa die Galerie Eva
Poll mit ihren Programmschwerpunkten 'Realismus' und
'Figuration', die aus dem Künstlerkreis um die Selbsthilfe-
galerie 'Großgörschen 35' hervorging und seit Ende der 70er
Jahre am Lützowplatz ansässig ist.

Seit Anfang der 70er betreibt Georg Nothelfer Galeriestand-
orte in Charlottenburg, wo er Künstler des deutschen Infor-
mell präsentiert. 2000 kam eine weitere Ausstellungsfläche
in der Corneliusstraße am Tiergarten hinzu, die heute als
Hauptstandort der Galerie dient. Eine weitere Traditionsein-
richtung ist das Haus am Lützowplatz. Seit 1963 wird es vom
Verein Förderkreis Kulturzentrum Berlin e. V. betrieben, der
auf eine Initiative der Berliner Sozialdemokratie und der In-
dustriegewerkschaft Metall zurück geht. Zu Zeiten der Teilung
der Stadt auf Ausstellungen von Künstlern aus Berlin, der DDR
und Osteuropa konzentriert, widmet sich das Haus heute der
Präsentation internationaler zeitgenössischer Kunst.

In den letzten Jahren belebt sich die Galerienszene südlich
des Potsdamer Platzes und neue, junge Galerien kommen
hinzu. Eine der ersten, die 2006 aus der Rosenthaler Straße
ihren Standort nach Tiergarten verlegte war Giti Nourbakhsch,
die seitdem ihre Galerie mit zwei Etagen Ausstellungsfläche in
einem Hof an der Kurfürstenstraße betreibt. In eben diesen
Hof zog wenig später Sassa Trülzsch mit ihrem Studio, das
mit seinem einen Raum als eine der kleinsten Galerien Berlins
gelten kann. Auf dem selben Geländekomplex eröffneten im
Jahr 2008 Patricia Kohl und Salome Sommer ihre Galerie
Sommer & Kohl in einer ehemaligen Bettfedernmanufaktur.
Beinahe schräg gegenüber, in einem Eckhaus im Hochparterre
an der Kurfürstenstraße hat die Galerie Tanya Leighton 2008
Quartier bezogen. In unmittelbarer Nähe, aber etwas ver-
steckter in einem Hinterhof an der Potsdamer Straße hat
zudem Cinzia Friedlaender ihre Galerieräume eröffnet.

Die zentrale Lage des Galerienstandortes und die unmittel-
bare Nähe zur Neuen Nationalgalerie erwiesen sich auf der
5. Berlin Biennale für zeitgenössische Kunst bereits als ein
Vorteil, da unzählige Kunstinteressierte den Biennale-Besuch
mit einem Galerienrundgang in Tiergarten Süd koppelten.
Auch während des Gallery Weekend 2008 waren die neuen
Galerien gut besucht. Ein Zeichen dafür, dass sich dieser
Standort langsam auch in der jungen Galerieszene durchsetzt.

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  Über das Projekt  
  Kontakt und Impressum  
     
  Galerie Eva Poll
seit 1979 am Lützowplatz 7

 
  Sassa Trülzsch
Hinterhof Kurfürstenstr. 12

 
  Galerie von Cinzia Friedlaender, Hinterhof, Potsdamer Str. 105