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Geschichte und Geschichten: Kunstgeschichte im Tiergarten


Kunst zwischen Tradition und Moderne
Kunstgeschichte an der Potsdamer Straße geschrieben

Der Name des wilhelminischen Hofmalers Anton von Werner,
der 1892 die Schließung der Edvard-Munch-Ausstellung in
Berlin veranlasste, ist ebenso mit der Potsdamer Straße
verbunden, wie der von Herwarth Walden, der mit seiner
Zeitschrift und Galerie 'Der Sturm' zum Präzeptor der euro-
päischen Kunstmoderne und zu einem Vorreiter des moder-
nen Kunsthandels avancierte.

In einem Hof an der Potsdamer Straße steht das ehema-
lige Wohn- und Atelierhaus Anton von Werners, das heute
zwei Künstlerinnen als Atelier dient. Unter Führung von
Werners entwickelte sich Ende des 18. Jahrhunderts die
Preußische Akademie zusammen mit der akademischen
Kunstausstellung, dem Verein Berliner Künstler und der
Landeskunstkommission zur engagiertesten Verfechterin
der klassizistischen Kunstauffassung und zum Bollwerk
gegen die Moderne.
Der Verein Berliner Künstler, heute am Schöneberger
Ufer beheimatet, betrieb seit 1898 ein Künstlerhaus am
Potsdamer Platz. Mitglieder waren u.a. Adolph Menzel,
Georg Kolbe, Max Liebermann und Anton von Werner.

Vor dem Aufkommen des privaten Kunsthandels kamen
Künstler, die von ihren Werken leben wollten, an dem Dik-
tum der königlichen Akademie und der privaten Kunstver-
eine, die mit der Akademie zusammen arbeiteten, nicht
vorbei. Sie bestimmten über die Ankaufspolitik der Natio-
nalgalerie und die Vergabe von Staatsaufträgen.

Für einen neuen Typus des Kunsthändlers und das Auf-
kommen des modernen Galeriewesens Anfang des 19.
Jahrhunderts steht der Verleger und Galerist Herwarth
Walden. Die Potsdamer Straße ist zu diesem Zeitpunkt
Treffpunkt der Avantgarde und Standort zahlreicher Kunst-
salons und Kunsthandlungen. 1912 siedelte sich eines der
damals führenden Kunst- und Auktionshäuser Berlins, die
Firma Lepke in der Potsdamer Straße an.
Zu der Zeit bezog auch Walden eine Wohnung in der Pots-
damer Straße, wo er Redaktion und Verlag der Zeitschrift
'Der Sturm', eine der wichtigsten Publikationen des Expres-
sionismus und auch die Sturm-Galerie etablierte. 1913 ver-
anstaltete er den 'Ersten Deutschen Herbstsalon' internatio-
naler moderner Kunst und bot einen umfassenden Über-
blick der europäischen Moderne in der Malerei. An der Aus-
stellungskonzeption waren u.a. Franz Marc, Wassily Kandin-
sky, Robert Delaunay und August Macke beteiligt.

Zu diesem Zeitpunkt hatte Berlin der traditionellen Kunst-
stadt München den Rang abgelaufen und übte eine große
Anziehungskraft auf junge progressive Künstler aus. Der
umtriebige Kosmopolit Walden, der mit Verlag, Galerie,
Kunstschule und Buchhandlung seine moderne Kunstauf-
fassungen propagierte, als Öffentlichkeitsarbeiter und über-
zeugter Kunstvermittler auftrat, kann als einer der Weg-
bereiter des modernen Kunsthandels und Galerienwesens
gelten. So waren es im 19. Jahrhundert vor allem die
Avantgarde-Galerien, die zumeist gegen die in den
Kunstakademien gelehrte Kunstauffassung als Mittler
moderner Kunst auftraten, den Künstlern den Weg in die
Öffentlichkeit bahnten und sich zunehmend als Institutionen
auf dem Kunstmarkt etablierten.

 

 

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  Das denkmalgeschützte Anton von Werner Haus

 
  Der Sturm, 1910-1932
Herausgeber: Herwarth Walden

 
  Anton von Werner,
Selbstbildnis, 1885